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Hells Pleasure Metal Fest [18. + 19.07.2008, Pößneck/Motocross-Strecke]
Geschrieben von Konstantin   
Freitag, 1. August 2008
Melechesh, Enthroned, Grave, Lord Belial, Trimonium, Pagan Altar, Kawir, Denial of God, Demonical, Corpus Christii, Mirror of Deception, Zarathustra, Warning, Nocturnal, Drowned, Necrosadistic Goat Torture, Hellish Crossfire, Ophis, Farsot, The Lamp of Thoth, Impaler

Das Hells Pleasure Festival, ein kleines Underground-Open Air in Thüringen, wartete dieses Jahr mit einem geradezu spektakulären Billing auf, insbesondere da mit PAGAN ALTAR, WARNING und THE LAMP OF THOTH gewissermassen drei Generationen des britischen Doom Metal mit herausragenden Vertretern präsent waren. Doch auch sonst war es hochkarätig besetzt, und für fast jeden Geschmack etwas dabei. Für eine kleine Abordnung von Augsbangers war daher klar, dass es sich hier um eine absolute Pflichtveranstaltung handelte.

Tag 1:

Nach der Ankunft in dem schönen, wenn auch etwas verfallenen Städtchen Pößneck, dem Einchecken ins Hotel des bequemeren Teils der Delegation und dem Zeltaufbau der hartgesotteneren Fraktion (also meiner Wenigkeit) schafften wir es noch zu den letzten Songs des Openers, der Slow Death-Kapelle OPHIS aus Hamburg, aufs Festivalgelände. Dieser Stil ist ja (von Ausnahmen abgesehen) nicht wirklich meins, aber OPHIS waren an sich schon ziemlich gut, allerdings wars für diese Art der Musik eindeutig zu früh.

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Als nächstes waren NECROSADISTIC GOAT TORTURE aus England an der Reihe, die allein schon wegen der hübschen Frontfrau gesteigerte Aufmerksam erfuhren. Doch auch der Oldschool Death Metal, den sie fabrizierten war nicht von schlechten Eltern, und die Sängerin konnte nicht nur gut aussehen sondern auch schön brüllkreischen.

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Bei NOCTURNAL drängte sich zum ersten mal eine größere Menge Fans (darunter viele Kuttenträger) vor der Bühne zusammen, die die Thrasher ordentlich abfeierten. Allerdings war das ganze schon eine arg rumpelige Vorstellung, was auch daran gelegen haben mag, dass auch die Band bereits ordentlich gefeiert hatte. Trotz aller Mängel war der Auftritt doch halbwegs unterhaltsam, und ausserdem die letzte Gelegenheit, NOCTURNAL mit Reaper an den Vocals zu sehen, der auf der Bühne seinen Abschied verkündete.

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Dann kam mit MIRROR OF DECEPTION das erste Schmankerl für alle Doomer, die sehr heavy und gefühlvoll agierten, wie es sich für eine gute Doomband gehört. Mit dem ersten Doomsong auf Schwäbisch gabs dann noch eine kleine Weltpremiere, und das Experiment "Mundart im Metal" darf getrost als gelungen bezeichnet werden.

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DEMONICAL boten dann gefälligen Death Metal der alten schwedischen Schule (natürlich Stockholm, nicht Göteborg) dar. Man merkte auf jeden Fall, dass die Band, obwohl sie erst seit wenigen Jahren existiert, durchgehend aus alten Hasen besteht, die wissen, worauf es bei diesem Sound ankommt.

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Nach einer Pause während KAWIR schaute ich bei TRIMONIUM wieder am Festivalgelände vorbei, die ziemlich epischen Black Metal zelebrierten, der mir an sich gut reinlief, mich aber irgendwie nicht auf Dauer fesseln konnte.

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Danach kamen die Schwedentod-Veteranen GRAVE, die ein solide Show ablieferten, aber mich persönlich ebenfalls nicht wirklich mitreissen konnten. Insgesamt kamen sie aber gut beim Publikum an.

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Ganz anders die Headliner MELECHESH, die in jeder Hinsicht überzeugen konnten, mit einer präzisen, energischen (Frontmann Ashmedi erinnert mich ja immer ein bisschen an einen anderen orientalischen Giftzwerg, den cholerischen Großwesir Isnogud) Performance, die sowohl dem technischen Anspruch als auch der besonderen Atmosphäre des Songmaterials absolut gerecht wurde.

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(Fotos Melechesh: Broul) 

Kurzfristig wurden am Freitag noch die US-Horror-Metaller IMPALER als Special Guest angekündigt und einfach nach MELECHESH ans das reguläre Programm angehängt. Musikalisch wurde solider Heavy Metal geboten, Die Show bestand vor allem aus einem Statisten, der zumeist den Psychopathen mimend über die Bühne sprang, den Animateur gab und gelegentlich ein paar Backing Vocals beisteuerte. Richtig effektiv wurde er erst am Ende eingesetzt, als er sich einen schönen gestellten Kampf mit dem Sänger lieferte und von diesem schliesslich fachgerecht um die Ecke gebracht wurde. Dazwischen gabs noch einen netten Spezialeffekt mit einem aufgespiessten Kopf, aus dessen Hals der Sänger Blut trank. Alles in allem ein unterhaltsamer Abschluss des Abends.

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Tag 2:

Trotz der frühen Morgenstunde (14 Uhr...) hatte sich bereits eine ordentliche Schar von Doomern versammelt, um die Newcomer THE LAMP OF THOTH zu feiern. Einige Fans hatten sich sogar extra nette, mit dem Bandlogo und anderen okkulten Symbolen bemalte Laternen gebastelt. Die Engländer sorgten dann auch mit einer trotz diverser technischer Probleme gut gelaunten Performance für einen angemessenen Einstieg in den Festival-Samstag.

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Während FARSOT war ich anderweitig unterwegs und sah mir erst die folgenden HELLISH CROSSFIRE wieder an, die wie NOCTURNAL am Freitag bestrebt schienen, sämtlichen Thrasherklischees gerecht zu werden und teilweise noch oder schon sichtlich angeschlagen auf der Bühne unterwegs waren. Unter anderem sabotierte der Sänger den Auftritt, indem er über das Gitarrenmikro stolperte und selbiges umriss. Dennoch waren sie alles in allem eine ganze Ecke besser als die Genrekollegen vom Vortag und lieferten eine unterhaltsame Show mit netter Pyro-Einlage am Schluß ab.

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Die nun folgenden DROWNED hatte ich mit großer Spannung erwartet, und wurde nicht enttäuscht, da die Okkult-Death Metaller in ihrer finsteren Brachialität sogar das gute Wetter vergessen machten. Dabei trat die Band angenehmerweise  ohne übertrieben böses Getue auf und strahlte eher die Lässigkeit einer Death Metal-Version von MOTÖRHEAD aus (besonders rief natürlich auch das Outfit von Sänger/Basser Mors Dalos Ra entsprechende Assoziationen hervor). Ausserdem ging an den Drummer der Preis für das stilvollste Corpsepaint des Festivals.

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Danach gabs mit WARNING gleich ein weiteres Highlight, wobei ich auch hier zunächst durchaus skeptisch war, ob diese ultimative Doom-Vollbedienung auch am hellichten Tag funktionieren würde. Doch schon Pat Walkers weißes Hemd schien eine Art Statement zu sein, dass Äusserlichkeiten hier überhaupt keine Rolle spielten, und schnell wurde klar, dass WARNING auch unter Open Air-Bedingungen intensiv wie eh und je wirkten. Ein echtes Erlebnis, wie in den vorderen Reihen Menschen inbrünstig die todtraurigen Hymnen mitsangen. Einige lagen sich sogar ergriffen in den Armen, und ein paar Tränen sollen auch geflossen sein.

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Dass es die nachfolgende Band schwer haben würde war klar, aber ZARATHUSTRA schienen auch so keinen besonders guten Tag erwischt zu haben. Irgendwie klangen sie sehr holprig (was auch an der Technik gelegen haben mag), und auch sonst kam zumindest für mich einfach nicht viel rüber. Diese Band gehört jedenfalls auch definitv eher in ein finsteres Kellerloch (wie das, in dem ich sie vor ein paar Jahren gesehen hab) als auf eine Open Air-Bühne.

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Im Vergleich dazu konnten sogar CORPUS CHRISTII eher überzeugen, die an sich eine der wenigen Bands waren, die mich auf diesem Billing überhaupt nicht interessierten. Jedoch wirkten sie einfach um einiges tighter, und lieferten eine solide Black Metal-Show ab, inklusive Feuerspucker. Ganz angeschaut hab ich sie mir dann trotzdem nicht.

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(Fotos Corpus Christii: Broul)

Die klaren Tagessieger im schwarzmetallischen Genre waren jedoch DENIAL OF GOD, die mit ihrem rohen, aber auch mit einigen wunderbar morbiden Melodien versehenen Oldschool-Sound und einer stimmungsvollen Horrorshow mächtig punkten konnten.

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Dann war es endlich an der Zeit für den (zumindest aus Sicht der doomiger und/oder traditioneller ausgerichteten Fans) eigentlichen Headliner des Festivals, die mythischen und magischen PAGAN ALTAR. Strömender Regen bildete eine stilechte Kulisse für die Engländer, die trotz anfänglicher Soundprobleme wieder eine absolut mitreissende Vorstellung darboten. Die Band wirkte auch etwas weniger schüchtern als noch auf dem vorletzten KIT, speziell Sänger Terry liess sich gelegentlich trotz seines doch etwas gesetzteren Alters zu einigen kleinen Tanzeinlagen hinreissen. Eine PAGAN ALTAR-Show ist einfach ein ganz besonderes Erlebnis, eine Art Zeitreise in eine längst vergangene Ära des Heavy Metal. Beim Abbau gabs dann noch ein kleines Drumsolo von Kai, dem kleinen Sohn von Zweit-Gitarrist Rich Walker (SOLSTICE, The Miskatonic Foundation etc.), und heimlichem Helden des Festivals.

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Eigentlich war das Festival damit für mich und wohl auch viele andere gelaufen, doch LORD BELIAL schlugen sich dann mit ihrem melodischen Black Metal noch mehr als beachtlich.

ENTHRONED dagegen empfand ich persönlich als völlig belangloses, austauschbares 0815-Black Metal-Geschepper, zwar auf durchaus auf spielerisch hohem Niveau, aber halt völlig ohne Wiedererkennungsert. Dementsprechend habe ich sie mir auch nicht lange angeschaut, aber es scheint auch wieder genug Leuten gefallen zu haben.

Das Festival an sich war absolut gelungen, die Organisation klappte größtenteils reibungslos, die Preise für Essen und Getränke waren mehr als fair (und das ausgeschenkte Bier war auch gut trinkbar, was nun wahrlich nicht auf jedem Festival der Fall ist), und man wurde stets freundlich behandelt, so wurde etwa auch uns Bayern die Speisekarte am Essenstand bereitwillig übersetzt. Durch die geringe Größe (die Karten waren auf 1000 Stück begrenzt, und ich glaube nicht dass so viele da waren) war das ganze natürlich ohnehin eine gemütliche, weitgehend friedliche Angelegenheit. (Ich hab zumindest nur eine, schnell geschlichtete, Auseinandersetzung mitbekommen, in die die beiden einzigen Gothics auf dem Festival verwickelt waren. Aber mal ehrlich, zu so einer Veranstaltung geht man auch als Mann nicht im Rock...) Bei einem entsprechend interessanten Billing kann man das Hells Pleasure also uneingeschränkt empfehlen.

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